Key Insights von der re:publica in Berlin

Für alle, die gar nicht wissen, worum es hier geht: die re:publica ist eine Konferenz für die digitale Gesellschaft mit Themen von Social Media, Virtual Reality, Netzpolitik, Mobilität, digitale Finanzwelt und digitales Arbeiten, Bloggen und vieles mehr. Eine gute Gelegenheit also über den Tellerrand meiner kleinen Online-Marketing-Welt zu schauen. Letztes Mal war ich zum ersten Mal dort, habe die lockere, entspannte Stimmung sehr genossen, mir viele tolle Vorträge angehört und noch mehr verpasst (aber keine Panik, denn die meisten gibt es hinterher auch auf YouTube). Ein bisschen kurz ist vielleicht das Netzwerken gekommen, denn vor lauter interessanter Vorträge hat man manchmal kaum Luft für ein Gespräch – das sollte in diesem Jahr aber anders werden. #rpTEN bezieht sich übrigens darauf, dass es die 10. re:publica ist.

Hier meine vier Key Insights von der re:publica:

1. Snapchat ist zur Zeit der heiße Sch… – aber nicht für alle

Wer noch nicht von Snapchat gehört hat: mit diesem Messenging-Dienst kann man kurze Videos und Fotos verschicken, die nach 24 Stunden gelöscht werden. Typische Zielgruppe sind ganz junge Leute (ca. 13-20), die Beiträge oft Sinnfreies, Lustiges oder Peinliches posten – aber egal, die Beiträge sind ja gleich wieder weg. Warum ist das nun interessant für Unternehmen und ihr Marketing sein kann? Auf der re:publica gab es gleich mehrere Vorträge zum Thema Snapchat und zwar einmal zur Funktionalität und darüber wie Unternehmen Snapchat einsetzen können.

Wirklich überzeugt hat mich das allerdings nicht. Wer als Einzelunternehmer Lust auf Live-Videos hat und sich dort ungekünstelt präsentieren möchte, für den mag es eine Alternative sein. Für Unternehmen ist es sicher zielgruppenabhängig und geht eher darum über Influencer die Markenbotschaft an den Mann oder Frau zu bringen. Fakt ist, dass Snapchat einer der am schnellsten wachsenden Dienste ist, auch in Deutschland, und die Möglichkeit „Storys“ zu erzählen, ist sicher ein sehr interessantes Feature. Dabei sind die Geschichten eine Ansammlung aller Bilder und Videos, die an einem Tag gemacht wurden und die dann einen langen Bild/Filmstreifen ergeben. Ich hätte also meine Bilder von Videos von der re:publica also auch hier veröffentlichen können, ohne Nachbearbeitung, einfach so – eben ganz authentisch.

2. Webvideo und Live-Video als Trend

Im äußerst interessanten Vortrag „New media, old money?“ schildert Bertram Gugel die Veränderungen, die YouTube gerade durchläuft und was im Webvideo-Bereich angesagt ist. YouTube scheint auf dem absteigenden Ast zu sein, während Facebook und Snapchat angreifen. Was das bedeutet und mit welchen Inhalten man heute überhaupt erfolgreich sein kann, schildert er in der Aufzeichnung.

Auch für dein Online-Marketing ist die Erstellung von Videos eine interessante Alternative für mehr Sichtbarkeit im Internet. Es müssen also nicht immer gestylte professionelle Videos sein, sondern können auch Live-Videos z.B. bei Facebook sein, die eine schnelle unkomplizierte Möglichkeit bieten Inhalte zu vermitteln.

3. Influencer-Marketing und die rechtlichen Aspekte

Neben dem hohen Interesse an Vorträgen über Snapchat und Instagram, waren außerdem die Vorträge gut gefüllt, in denen es um Influencer-Marketing ging.

Influencer-Marketing wird zur Zeit sehr gehypt, da Unternehmen nach neuen Wegen suchen, ihre Werbebotschaft zu verbreiten. Denn gerade SEO, Google AdWords und Social Media funktionieren unter Umständen nicht mehr so gut. Sie wenden sich daher an Blogger mit großer Followerschaft, die beispielsweise über das Produkt berichten sollen. Denn potenzielle Käufer halten die Bewertung oder Meinung eines Influencers für wesentlich glaubwürdiger als wenn die Werbebotschaft direkt vom Unternehmen kommt. Allerdings gibt es bei den „Blogger-Relations“ eine Fallstricke zu beachten, von der Ansprache und Auswahl des jeweiligen Influencers bis zur rechtlichen Seite.

Denn Werbung muss in Deutschland als solche gekennzeichnet werden, sonst ist es Schleichwerbung. Zu diesem Thema hielt Thomas Schwenke einen Vortrag, der leider nicht aufgezeichnet wurde. Er wurde aber zum Thema Schleichwerbung interviewt und erklärt die gesetzlichen Vorgaben.

4. Den Markenkern erhalten in allen Kanälen

Eine Frage, die viele Unternehmen umtreibt, ist nicht nur, wie sie es schaffen können, alle möglichen Social Media Kanäle zu bespielen mit begrenzten Ressourcen, sondern auch, wie die Unternehmensmarken erkennbar bleiben und wie der Markenkern erhalten bleibt.  Karin Schlüter von Bayern 1 erklärte sehr anschaulich, dass es darum geht die Werte und Inhalte des Markenkerns für jeden digitalen Kanal übersetzt werden. Als Beispiel vorab verteilte Frau Schlüter Zettel mit der Bitte darauf ein Wort zu notieren, dass wir mit der Market Nutella verbinden. Lecker, Frühstück, Seelentröster, damit verbinden viele Nutella. Aber die wenigstens verbinden Nutella mit „mehr Haselnüsse“ oder „mehr Milch“ als andere Nussaufstriche. Nutzer sehen als etwas anderes in einer Marke als Unternehmen in der Produktbeschreibung definieren.

Frau Schlüter hat dafür einen Kreislauf vorgestellt, die den Alltag der Social Media Redakteure erleichtern soll.

a) Die Marke definieren

Im ersten Schritt gilt es also die Marke zu definieren und nicht einfach das Produkt zu beschreiben, so dass Nutzer sich die Marke erschließen und fühlen können. Welche Inhalte passen zur Marke und welche Gefühle lassen sich damit verbinden. Als Beispiel: der Radiosender Bayern 1 hat sich früher definiert über „wir machen Radio und spielen Oldies“. Nun geben sie ihren Hörern das Gefühl der 80er wieder und erinnern an Geschichten aus dieser Zeit.

b) Emotionssystem festlegen und Kernwerte erkennen

Das lymbische System, das in der Werbung genutzt wird, hilft ein Emotionssystem für die Marke zu erkennen und festzulegen. So lassen sich Themen für die Erstellung von Inhalten finden, die mit der Markenwelt in Verbindung stehen. Schließlich ist es langweilig, wenn immer nur das Produkt gepostet wird und so würde auch keine Interaktion mit den Nutzern entstehen. Am Beispiel von Bayern 1, die für Tradition, Heimatverbundenheit, Natur, Qualität etc. stehen, bedeutet dies, dass sie dementsprechend auch konsequent Inhalte erstellen, die zu diesen Themen passen.

c) Inhalt herstellen und veröffentlichen

Aufgrund der festgelegten Themenbereiche wird nun konsequent Content erstellt, beispielsweise bei Bayern 1 Dinge, die uns an die 80er Jahre erinnern wie der Twist oder Catweazle.

d) Dialog und Erfolgsmessung

Wichtig ist das genaue Analysieren des Erfolgs der einzelnen Beiträge und konsequentes Aussortieren von Beiträgen, die nicht funktionieren und bei denen keine Interaktion mit den Nutzern entsteht. Denn wenn diese Art von Beiträgen nicht funktioniert, passen sie auch nicht wirklich zum Markenkern.

Die Unternehmen, die es schaffen ihre Marke zu positionieren und eine Markenwelt zu erschaffen, werden sich viel leichter tun die Reichweite in den sozialen Medien zu steigern und ihre Social Media Ziele zu erreichen. Dabei gilt es vor allem darum jeden Kanal auch als eigenen Plattform zu sehen und zu bespielen.

5.) Offtopic: DIY-Workshop „Video content mit dem Smartphone“

Nach so viel Input wollte ich mal etwas Kreatives machen. Im Workshop „Video-Content mit dem Smartphone“ wurden Tipps gegeben, wie man mit recht einfachen Mitteln mit dem Smartphone und entsprechenden Apps ein Video zusammenstellen kann. Meine erster Onlinekurs zum Thema Google Analytics ist ja rein am Desktop mit einer Screencasting-Software entstanden, aber mit dem Smartphone Videos zu bearbeiten, klang spannend.

Im Workshop sollte mit der App „Adobe Premiere Clip“ gearbeitet werden, für die man allerdings eine Adobe-Id benötigt. Da es zuviele Teilnehmer gab, wurden nur Tipps gegeben und nicht mit der App gearbeitet. Es gibt noch zahlreiche andere Apps, mit denen man gut die Videos bearbeiten kann, wie z.B. imovie, videoshop oder quik.

Grundsätzlich gilt beim Filmen:

  • Schnelle Bewegungen vermeiden
  • Stabiler Untergrund, ggf. ein Stativ verwenden
  • Ruhigen Drehort verwenden
  • Gegenlicht vermeiden
  • bei Interviews Abstand zum Protagonisten verringern
  • Frage herausschneiden, d.h. Frage so beantworten als sei sie nicht gestellt worden

Außerdem erläuterte Sebastian Schütz von change.org die Five-Shot-Regel: was, wer, wie, warum, wo, um auf diese Weise interessante Videos und Interviews zu machen.

Webvideos mit dem Smartphone erstellen

Einen Überblick über Apps und Equipment findest du hier: http://multimediashooter.com/mobile/MobileGuide.pdf

Das folgende Video von meinen Eindrücken auf der re:publica ist auch ausschließlich am Smartphone entstanden:

Alle Sessions, die auf der re:publica gestreamt wurden, findest du als Playlist bei YouTube.

Tipps für Anfänger für die nächste re:publica

Tipp 1: Erst einmal die App downloaden, so dass man alle Vorträge planen kann, sich erinnern lassen kann, nach Speakern oder Themen suchen kann.

Tipp 2: bei Twitter den dann gültigen hashtag (wahrscheinlich #rp17)  auf die Liste setzen und gucken, was die anderen empfehlen ;).

Tipp 3: Nicht ärgern, wenn sich Vorträge überschneiden oder Du nicht mehr reinkommst. Dafür bist du entweder in einem anderen tollen Vortrag oder der verpasste wird livegestreamt.

Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr!

 

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