Die richtige Social Media-Strategie für kleine Unternehmen

In der letzten Zeit habe ich mit vielen kleineren Firmen Social Media Strategien, bzw. speziell Facebook Strategien für die Unternehmensseiten im Rahmen von Workshops erarbeitet. Was mir dabei immer wieder auffällt ist, dass die Fanpages oder Unternehmensprofile in anderen sozialen Netzwerken einfach mal so veröffentlicht werden, ohne dass ein paar grundlegende Dinge vorab überlegt worden sind. Es ist per se nichts Schlechtes, wenn du einfach mal machst. Wenn man immer nur zögert, kommt man schließlich auch zu nichts.

Aber ein paar Gedanken solltest du dir in jedem Fall machen, bevor du dich ins Getümmel der sozialen Netzwerke stürzt. Eine Social Media Marketing Strategie oder Facebook-Marketing Strategie hilft dir den Zeitaufwand besser abzuschätzen und die richtigen sozialen Netzwerke auszuwählen. Gerade Selbstständige und Mitarbeiter kleinerer Unternehmen leiden unter chronischer Zeitnot und können sich nicht vorstellen, wie sie auch noch die diversen Social Media Auftritte bespielen sollen. Da Facebook sehr reichweitenstark ist und mittlerer weile fast alle Zielgruppen dort vertreten sind, haben sich viele Unternehmen auf dieses Netzwerk konzentriert. Das ist sicher eine vernünftige Entscheidung, wobei natürlich vorab ermittelt werden muss, ob sich nicht auch andere Netzwerke eignen. Die folgenden Tipps treffen aber im Wesentlichen auf alle Plattformen zu:

1.) Was willst du mit dem Social Media Profil erreichen?

Überlege dir, was das Ziel des Social Media Auftritts bzw. der Fanpage ist. Willst du bekannt werden bzw. dein Produkt/deine Dienstleistung bekannt machen? Möchtest du deine Artikel dort verbreiten oder dich mit deinen Kunden und Interessenten austauschen? Wenn der Chef sagt, wir machen jetzt mal Facebook, weil der Wettbewerb das auch macht, dann überlege noch intensiver, was das oder die Ziele sind. Setze dir messbare und realistische Ziele und lege relevante Erfolgskennzahlen fest, z.B. quantitative Ziele wie „x % mehr Online-Shop Umsatz durch Facebook-Nutzer“ oder qualitative wie „wieviele positive Erwähnungen hatten wir innerhalb eines bestimmten Zeitraums“. Hier muss jedes Unternehmen seine eigenen Ziele festlegen. Es gibt nicht DIE Ziele, die man festlegen muss.

2.) Wer ist deine Zielgruppe?

Identifiziere deine Zielgruppen und mache dir Gedanken darüber, welche neuen Zielgruppen du erschließen könntest. Je genauer du deine Zielgruppen bestimmst, umso besser kannst du die entsprechenden Netzwerke auswählen. XING und LinkedIn mögen sich für Geschäftskunden besser eignen, aber unterschätze Facebook nicht. Dort sind längst nicht nur junge Zielgruppen vorhanden und durch die hohe Anzahl an aktiven Nutzern können hohe Reichweiten erreicht werden. Meistens ist es schwierig mehrere Zielgruppen auf einer Fanpage zu bedienen. Die Zielgruppen bestimmen schließlich, welche Inhalte interessant sind. Vielleicht kannst du auch mit einer Zielgruppe in einer von dir eröffneten Gruppe diskutieren. Gleichzeitig stärkst du so Deinen Expertenstatus.

3.) Welches Social Media Netzwerk kommt für dich in Frage?

Wähle die richtige Social Media Plattform passend zu den Zielen und Zielgruppen aus. Wo kannst du am besten mit deinen Zielgruppen kommunizieren? Denke dabei nicht nur an Facebook, Instagram, Twitter, Youtube oder XING. Wenn du in den sozialen Medien aktiv sein willst, reicht es nicht immer nur Beiträge anderer zu veröffentlichen. Deshalb ist ein Corporate Blog sicher ein gutes Instrument, um deine Nutzer regelmäßig über Neuerungen zu informieren.

4.) Wie wirst du in den sozialen Netzwerken wahrgenommen?

Wenn du in mehreren sozialen Netzwerken mit deinem Unternehmen aktiv bist, lohnt es sich über das „Branding“ nachzudenken. Es muss nicht immer das gleiche Bild sein, was auch schon allein deshalb schwierig ist, weil jedes Netzwerk andere Bildgrößen hat. Außerdem verfolgst du ja vielleicht in jedem Netzwerk einen anderen Zweck. Aber der Wiedererkennungswert muss einfach gegeben sein. Das kann das Logo sein, eine ähnliche Bildsprache oder Bildaufbau. Es ist sicher kein rausgeworfenes Geld einen Grafiker um Unterstützung zu bitten. Was auch eine Rolle spielt wie du wahrgenommen wirst, ist die Tonalität, also deine Stimme in den sozialen Netzwerken. Duzt oder siezt du deine Kunden und Netzwerkpartner? Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, vielleicht hilft dir der Artikel bei der Entscheidung, wie du deine Zielgruppen in den sozialen Netzwerken ansprechen möchtest.

5.) Was ist der Mehrwert deines Social Media Profils?

Was ist der Mehrwert der Fanpage oder des Unternehmensauftritts in den sozialen Netzwerken? Es lohnt sich wirklich, wenn du dir hierüber eingehend Gedanken machst. Pressemitteilungen zu veröffentlichen oder Bilder der letzten Firmenparty sind kein Mehrwert. Letztere mögen vielleicht als „authentisch“ durchgehen, aber nur wenn du sonst wirklich nützliche Informationen lieferst. Also, was ist der Mehrwert? Nützliche Tipps, How-tos, Updates, Anleitungen, Informationen über neue Blogartikel, Support… Es gibt viele Möglichkeiten, aber einfach nur Beiträge zu posten, die keinen Mehrwert bieten, werden dich auf lange Sicht nicht wirklich weiterbringen.

6.) Welche Inhalte wirst du bereitstellen?

Mache dir Gedanken über Inhalte, die für deine Zielgruppen relevant sind. Was kannst du erzählen, verfügst du über gutes Bildmaterial? Plane deine Posts mit einem Redaktionsplan, um festzulegen, was du wann und in welchem sozialen Netzwerk veröffentlichen willst. Dieser Punkt ist wirklich wichtig und ich sehe bei meinen Workshop-Teilnehmern oft Beiträge, die so gar nicht zu den Zielen passen. Auch am Bildmaterial hapert es oft. Versuche bei deinen eigenen Posts immer sehr gute Bilder zu verwenden, keine Stockfotos, sondern möglichst selbst oder professionell fotografierte eigene Bilder. Die kommen eigentlich immer viel besser an, außerdem verwendet diese Bilder dann auch niemand anderes. Manche Fanpages haben sich auch darauf spezialisiert, praktisch nur noch Zitate zu posten. Das ist ab und zu natürlich möglich, aber keine Strategie in dem Sinne, dass damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wird.

Übrigens denken auch viele Social Media Einsteiger, dass sie keine fremden Inhalte auf ihrer Fanpage/ihrem Profil posten sollten, weil doch dadurch die „Konkurrenz“ unterstützt wird. Uiiii, wie unsozial ;)! Es geht hier um zwei Dinge: erstens heißt es doch „social media“, weil du dich austauschst, nicht nur mit deinen Kunden/Interessenten, sondern auch mit deinen Kollegen/Wettbewerbern. Zweitens kuratierst du Inhalte für deine Fans. „Sharing is caring“ nennen das die Experten. Es ist eben ein Geben und Nehmen. Wenn jemand etwas Interessantes postet, das auch für deine Fans relevant ist, dann ist das doch toll. Und vielleicht hast du mal einen Beitrag, der dann ebenfalls von den anderen geteilt wird und erhöhst auf diese Weise deine Reichweite.

7.) Wieviel Zeit kannst du für die Social Media-Betreuung aufwenden?

Plane den Zeitaufwand und die Ressourcen. Wenn du ein Ein-Mann-Unternehmen bist, solltest du dir einen gewissen Zeitrahmen vornehmen und dich daran halten, um am Ball zu bleiben. Ein Redaktionsplan hilft dir dabei, zumal bei diesen Plänen auch Feiertage schon vorab eingetragen sind. Wenn du jetzt noch deine wichtigen relevanten Termine einträgst, an denen du etwas für deine Fans/Follower zu berichten hast, umso besser. Wenn ich in meinen Workshops höre, dass darüber gejammert wird, dass man doch gar keine Zeit habe und der Erfolg ja auch gar nicht nachweisbar messbar sei, dann kann ich nur wiederholen: was ist das Ziel der Fanpage/des Unternehmensprofils? Wenn ich etwas damit erreichen möchte, sollte ich auch die Zeit dafür investieren (oder auch: ohne Fleiß, keinen Preis 😉 ).

Kein Cross-Posten trotz Zeitersparnis

Natürlich erspart es Zeit, wenn man die Social Media-Netzwerke miteinander verbindet und ein Beitrag in Facebook auch automatisch in Twitter oder ein Bild in Instagram automatisch in Facebook veröffentlicht wird. Aber jedes Netzwerk hat seine eigenen Regeln, andere Formate und ein Beitrag, der in einem Netzwerk perfekt ist, mag in einem anderen komisch aussehen. Etwas anderes ist es, wenn man ein Social Media Management-Tool wie Hootsuite nutzt, um Posts vorzubereiten, um sie in verschiedenen Netzwerken geplant zu veröffentlichen.

8.) Hast du ein gepflegtes, aktuelles Firmenprofil?

Erstelle vollständige Firmenprofile und vernetze diese untereinander, wenn möglich. Damit sind die Möglichkeiten gemeint, dass man beispielsweise in XING alle seine anderen Profile in sozialen Plattformen eintragen kann. Ich bin kein Fan von XING, weil sich meiner Erfahrung nach nur Kontaktsammler und Vertriebler dort herumtreiben, aber für deine Branche mag das anders sein. Und eine Präsenz ist in jedem Fall für jeden Berufstätigen ein Muss. Eine pfiffige Sache hat XING nun doch: man kann auch seinen WordPress-Blog dort eintragen, so dass neue Artikel dort direkt gepostet werden. Das erspart doch etwas Zeit, wenn man ohne weitere Erklärung seine Artikel dort veröffentlichen möchte.

Und natürlich gehören auch die Social Media Buttons auf die Website. Aber, weniger ist mehr. Lieber nur in einem Netzwerk richtig aktiv sein als in einem Dutzend nur selten. Man muss nicht in jedem Netzwerk aktiv sein, sondern nur dort, wo die Zielgruppe ist. Ist deine Zielgruppe auf Snapchat oder Periscope? Nein? Dann musst du dort ja als Unternehmen nicht unbedingt sein ;).

9.) Misst du den Erfolg deiner Engagements in den sozialen Medien?

Natürlich gibt es viele erprobte Vorgehensweisen, mit welcher Strategie und welchen Taktiken man erfolgreich in den sozialen Medien sein kann. Aber letztendlich musst du dir immer die Statistiken ansehen und den Erfolg messen, testen und optimieren. Social Media Management und Monitoring kann sehr zeitaufwändig sein. Schon allein die Suche nach den richtigen Tools kann umfangreich sein. Trotzdem solltest du wenigstens ein paar kostenlose Tools einsetzen, wie z.B. Talkwalker, um zu erfahren, wann du bzw. dein Unternehmen erwähnt wird. Andere kostenlose Tools sind beispielsweise Fanpage Karma für Fanpages. Kostenpflichtige Tools wie Pagemodo bieten auch Unterstützung für die Gestaltung von Posts, Anzeigen und Apps. Ach ja, Apps. Ich werde ganz oft gefragt, wie man diese einbindet und wie das geht. Ganz abgesehen davon, dass man sich entweder dafür bei Facebook Developers anmelden muss (wenn man technisch versiert ist) oder bei einem Tool wie Pagemodo (wenn man Geld ausgeben möchte), ist die Frage wirklich, ob man denn unbedingt eine App braucht. Da sie mobil nicht angezeigt wird, ist es wirklich ein Frage der Strategie, ob man Zeit und Geld investieren möchte. Grundsätzlich gehört in jedem Fall Planen, Messen und Optimieren genauso zum Handwerk wie die Definition von Zielen und Kennzahlen.

10.) Lerne die Spielregeln!

Wenn du noch wenig Erfahrung im Umgang mit den sozialen Netzwerken hast, kannst du dich ja erst einmal anmelden und sehen, wie wird wo kommuniziert, welche Stolpersteine man vermeiden sollte, was der Wettbewerb macht und wo es gute Beispiele aus deiner Branche gibt. Es gibt immer etwas zu dazuzulernen und zu verbessern. Es ist aber wichtig, dass du die Social Media Marketing-Strategie langfristig siehst. Gerade am Anfang benötigt man viel Zeit, um sich mit den Netzwerken vertraut zu machen und um die Spielregeln kennen zu lernen. Engagiere dich auch aktiv in den Gruppen, um „sichtbar“ zu werden, aber bitte dort keine Werbung posten – das kommt meistens gar nicht gut an.

Fazit

Für Selbständige und kleine Unternehmen heißt die Strategie aber auch einfach: Anmelden! Mitmachen! Kommunizieren! Du kann nur dabei gewinnen. Social Media ist mehr als nur Neukundengewinnung oder Imagesteigerung, vergiss dabei nicht den Spaß an der Sache nicht ;)!

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