Eine Anleitung für die Keyword-Recherche

Wie man die besten Keywords herausfindet

Viele Website-Betreiber denken, dass ihre Website unter anderem nur dann gefunden werden kann, wenn Texte mit den „richtigen“ Keywords auf der Website stehen. Also werden fröhlich möglichst oft die gängigen Keywords im Text erwähnt, mit denen die Website in den Suchergebnissen von Google & Co erscheinen soll. Gerne natürlich in den Top-Positionen.

Ein Suchmaschinenoptimierer soll dann die nötigen Tipps liefern, was man noch verbessern könnte, damit man wirklich sichergehen kann, dass das funktioniert. Das bezeichne ich gerne als „Feenstaub über die Website streuen“.

Zur Suchmaschinenoptimierung gehören viele Aspekte, von der einwandfreien Programmierung bis hin zur Bedienerfreundlichkeit und der positiven „User Experience“. Und dazu gehört als Basis auch eine ordentliche Keyword-Recherche. Aber die hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt und hat überhaupt nichts mit langen Wortlisten zu tun, die dann ein Texter irgendwie in den Text reinpfriemeln soll.

Die Suchmaschinen sind längst nicht mehr auf exakte Suchbegriffe im Text, in den Überschriften (h1, h2, h3…) oder im Seitentitel (<title>) angewiesen, obwohl es immer noch sehr hilfreich ist. Aber sollte man deshalb die Keyword-Recherche ganz außer Acht lassen? Nein, natürlich ist es immer noch wichtig eine gründliche Keyword-Recherche zu machen, bevor man sich an das Texten macht.

Was ist überhaupt ein „Keyword“?

Mit Keyword ist der Suchbegriff gemeint, also das, was der Suchende in das Suchfeld bei Google und Co eingibt, beispielsweise „italienisch lernen“.

Die Keywords im Suchfeld eingeben

Und hier gibt es schon das erste Problem. Die meisten Unternehmen gehen erst einmal von sich aus, was ihr Angebot ist und wählen Begriffe aus mit denen sie eher nicht gefunden werden können oder die viel zu allgemein sind, z.B. „Fotografie“, „Software-Entwicklung“ oder „Zahnarzt“.

Außerdem ist auch die Überlegung wichtig, welches Problem der Nutzer hat und in welcher Situation er sich befindet. Was genau sucht jemand, der „italienisch lernen“ eingibt? Online-Vokabeltests, Übungen, Kurse an der VHS, Unterrichtsmaterialien, Bücher, Aussprache-Regeln etc.?

Die Nutzerabsicht hinter einer Suchanfrage zu verstehen, spielt eine wesentliche Rolle bei der Keyword-Recherche. Denn wenn es für eine Suchanfrage wie „italienisch lernen“ unterschiedliche Absichten gibt, wird die Website mit der „beliebtesten Absicht“ von Google in den Top-Positionen gezeigt. Und eben nicht die Website mit den meisten passenden Keywords. Das gleiche gilt, wenn deine Keywords eher aus Informationsgründen gesucht werden (Informations-Keywords) als mit tatsächlichen Kaufabsichten (Transaktions-Keywords). Dann wird Google eher den sogenannten „informational keywords“ den Vorzug geben. WOW! Das muss sich erst einmal setzen!

Was bedeutet semantische Suche?

Laut Wikipedia ist „die semantische Suche ist eine Suchmethode, in der die Bedeutung einer Suchanfrage (im Internet oder in einem digitalen Text-Archiv) in den Mittelpunkt gestellt wird“.

Google hat sich in den letzten Jahren zu einer semantischen Suchmaschine entwickelt, was bedeutet, dass versucht wird dem Nutzer die Websites zu zeigen, die mit der jeweiligen Absicht des Nutzers übereinstimmen. Für die Keyword-Recherche bedeutet das, sich nicht nur mit Keywords zu beschäftigen, die aus ein, zwei Worten bestehen, sondern auch mit Keyword-Phrasen, die sich aus mehreren Worten zusammensetzen. Diese Keywords werden „Long Tail Keywords“ genannt, z.B. „italienisch lernen in italien“.

Die Keyword-Recherche

Schritt 1 – Keywords ermitteln

Es gibt eine Menge an Keyword-Recherche-Tools, kostenpflichtig und kostenfrei. Wir wollen uns hier aber möglichst auf kostenfreie Tools beschränken, die für kleinere Websites meist auch ausreichen.

Hier nun das ultimative Keyword-Recherche-Tool:

 

Ultimatives Tool zur Keyword-Recherche

 

Kleiner Scherz, aber natürlich kennst du ja dein Unternehmen am besten, weißt, was du anbietest und wie du gefunden werden möchtest. So wird beispielsweise z.B. eine Zahnarztpraxis in München, die sich auf Implantate spezialisiert hat, überlegen, dass sie gerne mit „zahnarzt implantate münchen“ o. Ä. gefunden werden möchte und entsprechend natürlich auch auf der Website passende Formulierungen verwenden.

Wenn du verschiedene Angebote/Produkte hast, kannst du beispielsweise im ersten Anlauf auch ein Mindmap erstellen und so immer spezifischere Worte/Wortkombinationen auflisten. Sprich einfach auch mal mit Kunden, Mitarbeitern, Netzwerkkollegen oder Freunden über dein Angebot und wie sie nach deinem Produkt suchen würden. Hilfreich ist es sich in die Lage des Suchenden zu versetzen, der ein konkretes Problem hat und vielleicht wie im o.g. Beispiel „unspezifische zahnschmerzen“ eingibt. So kannst du deine Keywordliste erweitern.

Keywords recherechieren mit Google Suggest (automatische Vervollständigungen)

Den Anfang macht in jedem Fall die Google-Suche selbst mit dem Autosuggest-Tool, also der automatischen Vervollständigung. Sobald du anfängst etwas in das Google Suchfeld einzutippen, findest du weitere Wortkombinationen, die entweder von dir oder anderen Nutzern bereits gesucht wurden.

Die Google Hilfe sagt dazu:  „Vervollständigungen sind mögliche Suchbegriffe, die Sie verwenden können. Es handelt sich um Begriffe, die im Zusammenhang mit den von Ihnen eingegebenen Suchbegriffen stehen und nach denen von anderen Nutzern gesucht wurde.“ https://support.google.com/websearch/answer/106230

Übrigens sind 15 bis 20% der täglichen Suchanfragen so noch nie gestellt worden. Dies stellt Google vor die immense Herausforderung diese neuen Begriffe zuzuordnen und die möglichst richtigen Websites in den Suchergebnissen zu zeigen.

Der SEO-Guru Rand Fishkin hält dieses Feature von Google für ziemlich genial für die Keyword-Recherche: „Google’s Search Suggest is a wondrous feature. Not only does it save humans beings around the planet millions of key entries each day, it’s also a phenomenal keyword research tool for marketers“. – Rand Fishkin, Founder of Moz.com

Hier ein Beispiel:

Google Suggest Keyword-Recherche

Du brauchst natürlich diese Wortkombinationen nicht abtippen. Mit den Keyword-Tools https://ubersuggest.io/ oder http://keywordtool.io kannst du schneller recherchieren und die entsprechenden relevanten Suchbegriffe downloaden, denn die Daten stammen aus Google Suggest.

Was sind verwandte Suchanfragen?

Bei der Eingabe eines Suchbegriffs in das Google-Suchfeld werden nicht nur die Autosuggest-Begriffe angezeigt, sondern unter den Suchergebnissen der ersten Seite auch die „verwandten Begriffe“. Diese sind semantisch mit deinem Thema verbunden und liefern dir weitere Hinweise darauf, was gesucht wird.

Mehr Keywords ermitteln mit W-Fragen

Immer mehr Leute suchen auf mobilen Geräten per Sprachsuche. Dabei haben die Suchbegriffe Tendenz ziemlich lang zu werden. Vor allem werden dann Fragen gestellt:

  • Was versteht man unter …
  • Wie funktioniert …
  • Wo finde ich …
  • wie mache ich …

Um diese W-Fragen zu ermitteln, eignet sich das W-Fragen-Tool http://www.w-fragen-tool.com/

Ein weiteres sehr empfehlenswertes Tool ist Hypersuggest . Hier kannst du ebenfalls W-Fragen ermitteln oder entscheiden, an welcher Stelle dein gewählter Suchbegriff stehen soll, also [weitere Worte] + [Keyword] oder [Keyword] + [weitere Worte]:

das Keyword-Recherche-Tool Hypersuggest

Weitere kostenlose keyword-Recherche Tools findest du in der Masterliste der SEO-Tools hier im Blog.

Solltest du ein professionelles SEO-Tool verwenden oder bereits Anzeigen in Google AdWords schalten, kannst du die ermittelten Keywords speichern und mit den Rankingdaten deiner Website abgleichen.

Trends erfassen mit Google Trends

Mit dem kostenlosen Tool Google Trends können und sollten Suchbegriffe nochmal überprüft werden. So kann man ermitteln, ob nicht ein ähnlicher Begriff häufiger gesucht wird als ein anderer. Auch verwandte Themen und Suchanfragen, sowie das Interesse nach Region spuckt das Tool aus. Dies ist eine sehr wertvolle Informationsquelle, um festzustellen, ob der gewünschte Begriff „im Trend liegt“.

Trends erfassen mit Google Trends

Google Analytics und die Google Search Console für die Keyword-Recherche nutzen

Ein weiteres Tool, um „sachdienliche Hinweise“ auf Suchbegriffe zu finden, ist auch mit Einschränkungen Google Analytics und die Google Search Console, die übrigens beide kostenfrei sind. Um die Google Search Console zu nutzen, benötigst du kein Google Analytics Konto.

Die Google Search Console zeigt an, bei welchen Begriffen deine Website in den Suchergebnissen gezeigt wurde (Impressionen), wie viele Nutzer dann auf das Suchergebnis geklickt haben (Klicks) und welche Klickrate sich daraus ergibt. Diese Klickrate, auch Click-through-rate ist ein wichtiges Signal für Google, wie interessant die Website für Nutzer ist, die diesen Suchbegriff eingegeben haben. Wenn du hier also ein Keyword siehst, das interessant sein könnte und über das du noch nicht auf deiner Website geschrieben hast, dann lohnt es sich vielleicht darauf einzugehen. Mehr Informationen zur Search Console findest du im Blogartikel SEO mit der Google Search Console und im Blog Analytics für Einsteiger.

Not provided in Google Analytics

Die meisten Suchbegriffe werden in Google Analytics nicht geliefert (=not provided). Nur wenn du Google AdWords schaltest, erfährst du, welche Keywords verwendet wurden, die zu einem Anzeigenklick geführt haben. Wenn du Google Analytics und die Search Console miteinander verbindest, werden die Suchanalyse-Daten der Search Console auch in Google Analytics angezeigt. So erfährst du zumindest ansatzweise mit welchen Suchbegriffen Nutzer auf die Website gekommen sind. Der Vorteil ist außerdem, dass dann die Daten der Search Console mit Messwerten von Google Analytics kombiniert werden und so weitere Auswertungen möglich sind.

Schritt 2 – Das Suchvolumen ermitteln

Warum braucht man das Suchvolumen?

Das Suchvolumen, also wie oft dieser Suchbegriff in einem bestimmten Zeitraum gesucht wird, ist wichtig, um herauszufinden, ob es sich lohnt eine Seite der Website auf dieses Keyword-Thema hin zu optimieren. Wenn ein Begriff nur wenig gesucht wird, kann es sich unter Umständen trotzdem lohnen, vor allem wenn es wenig Wettbewerb gibt. Die Wettbewerbsdaten aus Google AdWords sind daher sehr interessant, auch wenn diese nur Suchbegriffe betreffen, auf die bereits in Google AdWords geboten wurde.

Es ist immer schwierig, Suchbegriffe für die eigene Website festzulegen, wenn es bereits einen starken Wettbewerb gibt. Daher ist es vor allem für kleinere Websites besser, sind auf längere Wortkombinationen („long tail keywords“) zu fokussieren, anstatt auf generische Begriffe.
Das Suchvolumen wird beim Keyword-Tool (http://keywordtool.io) nur in der Pro-Version angezeigt und die hat leider ihren Preis.

Eine Keyword-Recherche und Ermittlung des Suchvolumens ist auch bedingt möglich mit dem kostenlosen Keyword Planer von Google AdWords. Um diesen zu nutzen, muss man ein Google AdWords-Konto erstellen. Leider hat Google die Recherche insofern eingeschränkt, als dass man keine genauen Zahlen zum Suchvolumen mehr erhält, wenn man keine Anzeigen schaltet bzw. nur ein kleines Budget einsetzt. Gerade für kleinere Websites, wo es schon einen Unterschied macht, ob ein Keyword 10 Mal im Monat oder 100 Mal gesucht wird, ist das leider ein Problem. Wer mit den Ungenauigkeiten leben kann, für den ist der Keyword-Planer nach wie vor eine gute kostenlose Recherchemöglichkeit.

Schritt 3 – Eine Konkurrenzanalyse vornehmen

Eine andere Möglichkeit, die du in jedem Fall nutzen solltest, ist die Konkurrenzanalyse. Welche Website erscheint zu einem bestimmten Suchbegriff auf der ersten Seite? Die Seite rankt wahrscheinlich mit vielen verschiedenen verwandten Phrasen, die alle mit deinen Suchbegriffen zu tun haben.
Dies ist auch eine Gelegenheit sich die Websites der Wettbewerber genauer anzuschauen. Es gibt meist einen Grund, warum diese Websites besser in den Suchergebnissen gelistet werden. Meist ist es nicht, weil diese besser suchmaschinenoptimiert werden, sondern weil sie für Nutzer die nützlichsten Informationen haben, man sich am besten zurechtfindet, weil sie mehr Backlinks haben, u.v.m.

Schritt 4 – Keywords in Themenbereiche sortieren

Es ist sinnvoll die ermittelten Keywords zu sortieren, indem man sie in verschiedene Themengebiete bzw. Keyword-Sets einteilt („clustern“). Wahrscheinlich wirst du die Einteilung nach deinen Produkten oder Dienstleistungen vornehmen bzw. nach den Themen auf deiner Website. Aber das ist nicht die einzige Sortiermöglichkeit, denn du könntest auch z.B. nach den Kategorien für deine geplanten Blogartikel sortieren. Oder die Einteilung wird nach Art der Suche eingeteilt (Suche nach Bewertungen, Sales, Rabattaktionen etc.).

Diese Einteilung in Themenbereiche ist sinnvoll, um festzustellen, ob es sich lohnt neue Seiten auf der Website zu erstellen. Sie ist auch der Grundstock für die Anzeigenschaltung in Google AdWords, wo die einzelnen Anzeigengruppen, in denen die Keywords hinterlegt sind, thematisch möglichst scharf voneinander getrennt sein sollen.

Wie geht es weiter nach der Keyword-Recherche?

Nun solltest du die recherchierten Keywords nicht einfach x-mal auf vielen Seiten der Website platzieren, sondern eine Seite erstellen oder einen neuen Artikel pro Thema/Keywordset schreiben. Du schreibst übrigens für die Nutzer, nicht für Google ;). Vermeide es mehrere Seiten zum gleichen Thema zu schreiben. Das passiert häufig bei Blogs, wo man darauf achten sollte, möglichst immer unterschiedliche Ausprägungen zu einem Thema zu finden.

Zusammenfassung

1.) Es geht bei der Keyword-Recherche nicht darum möglichst viele Varianten und Synonyme zu finden, sondern darum nützliche und relevante Informationen für deine Leser zur Verfügung zu stellen und das auch mit unterstützendem Bildmaterial oder Videos, mit ausgehenden Links, mit weiterem Informationsmaterial etc.. So trägt die Keyword-Recherche dazu bei, dass deine Website – wie Google es formuliert – als „authoritative, expert, and trustworthy“, also als zuverlässige, sachkundige und glaubwürdige Informationsquelle gilt.

2.) Das Ziel der Keyword-Recherche ist es, die Absicht, die hinter der Suchanfrage des Nutzers liegt, herauszufinden. Dann gilt es diese Suchanfrage zu beantworten mit Inhalten, die zufriedenstellend für den Nutzer sind.

3.) Nur wenn Nutzer zufrieden sind und deine Inhalte interessant finden, werden sie auch auf sie verlinken. Dieser Backlinkaufbau ist eine wichtige Komponente in der Suchmaschinenoptimierung. Es hat aber noch niemand auf deine Seite verlinkt, weil du viele Keywords im Text untergebracht hast, sondern weil die Inhalte ein Problem gelöst oder eine Frage beantwortet haben.

Hast du eine Frage zur Keyword-Recherche? Schreib‘ mir gerne in den Kommentaren.

 

 

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