Online-Marketing Strategien für kleine und mittlere Unternehmen

Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit eines Studenten an der Hochschule für Medien in Stuttgart (https://www.hdm-stuttgart.de/) wurde ich zu diversen Online-Marketing-Themen interviewt. Hier findet ihr das vollständige Transkript des Interviews:

1. Online-Marketing für KMU

1.1  Student: Verschiedene Autoren weisen auf die folgenden Probleme von KMUs im Zusammenhang mit Online-Marketing hin: fehlende Ressourcen, fehlende Marketing-Expertise, unzureichende Informationen über Kunden sowie die Durchführung von unstrukturierten Marketing-Aktivitäten. Wie sehen Sie diese Probleme in der Praxis?

Cathrin Tusche: Ein Hauptproblem, das kleine und mittlere Unternehmen ganz sicher haben, ist sicher das der begrenzten Ressourcen und des Budgets. Manchmal stellt jedoch weniger das Budget das Hindernis dar, sondern vielmehr der Mangel an strategischem Vorgehen. In diesem Zusammenhang werden oftmals die Zielgruppen nicht genau definiert, die Ziele nicht festgelegt und oft gibt es ganz generell keine Marketing-Strategie. Da eine Marketingstrategie aber auch das Online-Marketing abdeckt, werden die definierten Ziele und Metriken auch hier nicht übernommen und die Erfolge können nicht gemessen werden.

Bei vielen Kunden, die zu mir kommen, merke ich, dass sie sich noch keine Gedanken über eine Gesamtmarketing-Strategie gemacht haben und oftmals soll in diesen Fällen das Online Marketing das Verpasste aufholen. Dies geschieht in dem Glauben, dass Online-Marketing kostengünstiger sei, da man keine Flyer drucken oder teure Anzeigen schalten muss. Das stimmt natürlich nicht. Online-Marketing kostet natürlich auch Geld.

Ein weiteres Problem, das ich oftmals sehe ist, dass viele nicht erkennen, was die Zielgruppen sind. Hier heißt es dann oft: „Unser Produkt kann doch jeder brauchen.“ Das stimmt einfach nicht. Auch demografische Daten bringen einen nur bedingt weiter. Es ist daher notwendig, viel feiner zu definieren, für wen die Produkte oder Leistungen gedacht sind. Dies sind Punkte, bei denen man merkt, dass es noch an der Strategie hakt und dass möglicherweise auch die Expertise fehlt.

1.2. Student: Gibt es Ihrer Meinung nach ein Hauptproblem von KMUs im Hinblick auf Online-Marketing?

Cathrin Tusche: Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich Unternehmen zu sehr auf das eigene Produkt fokussieren, z.B. auf die Entwicklung von Produkten. Natürlich soll ein gutes Produkt entstehen. Aber das Marketing ist hierbei zum Teil etwas ins Hintertreffen geraten: Beispielsweise in IT-Unternehmen, in denen Entwickler etwas Tolles produzieren, aber das Marketing außen vor gelassen wird. Oftmals weiß die Marketing-Abteilung dann gar nicht so genau, was die Entwickler machen. Hier fehlt es zum Teil an der internen Struktur und den Prozessen. Es wird zu wenig kommuniziert und damit kann das Marketing auch nur schwer nach außen kommunizieren.

1.3. Student: Wissenschaftler haben die Vernetzung, die Entwicklung von Partnerschaften sowie die Mund-zu-Mund-Propaganda als die drei wichtigsten Marketingstrategien von kleinen Unternehmen identifiziert. Würden Sie diese Ergebnisse im Hinblick auf Ihre praktischen Erfahrungen bestätigen?

Cathrin Tusche: Ja, in jedem Fall. Natürlich müssen kleine und mittlere Unternehmen noch mehr an ihrem Empfehlungsmarketing und Reputationsmanagement arbeiten als große, bekannte Unternehmen, mit bekannten Marken. Insbesondere für kleine und sehr kleine Unternehmen stellt jeder Mitarbeiter eine Art Markenbotschafter dar. Dann ist es gut, wenn der Geschäftsführer und einzelne Mitarbeiter auf Netzwerktreffen gehen und so mithelfen, die Reputation des Unternehmens aufzubauen. Dies ist für das Online-Marketing besonderes wichtig, da man sehr sichtbar agiert. Wenn man heute Produkte herstellt, die Mängel vorweisen, bekommt es natürlich die komplette Internet-Gemeinde mit. Daher ist die Mund-Propaganda sehr wichtig.

In diesem Zusammenhang ist es sehr wichtig, dass anschließend auch gemessen wird, was das Empfehlungsmarketing genau gebracht hat. Heutzutage ist hier das Monitoring schon sehr gut, denn man kann durchaus messen, wieviele und welche Erwähnungen man im Netz hatte. Dies müsste man als Unternehmen auch vielmehr nachvollziehen.

1.4 Student: Wie bewerten Sie das Potenzial von KMUs im Hinblick auf virale Kommunikation mit dem Ziel, Kunden in eine Art Werbebotschafter zu verwandeln?

Cathrin Tusche: Virales Marketing klingt für kleine Unternehmen immer toll. Hier herrscht oftmals die Vorstellung, man müsse nur ein schnelles und kostengünstiges Video produzieren und schon geht es viral. Oder zum Teil werden Erklär-Videos gemacht und man wundert sich anschließend, warum man nur sehr wenige Aufrufe erhalten hat.

Wie alle anderen Marketing-Kampagnen ist auch beim viralen Marketing eine ganz konkrete Strategie notwendig. Dies ist nicht einfach. Virale Marketing-Kampagnen gehören zu den schwersten Kampagnen, die zu planen sind. Auch hier ist es nötig, die Zielgruppen zu definieren, die Chancen und Risiken abzuwägen etc. Aber grundsätzlich ist die Idee, dass man Kunden und Interessierte begeistert und zu Markenbotschaftern macht, eine gute Sache. Damit können auch Zielgruppen erreicht werden, welche man ansonsten nie erreicht hätte.

Mit viralem Marketing verbindet man üblicherweise Videos auf YouTube, aber es könnte sich beispielsweise auch um einen sehr gut geschriebenen Blog-Post handeln, welcher sich viral verteilt. Wenn man hier eine gute Idee hat, führt dies zu einer großen Sichtbarkeit…und dies natürlich sehr günstig, da die Kunden zu Werbeträgern werden. Hier haben kleine Unternehmen in der Vergangenheit auch schon tolle Treffer gelandet.

2. Unternehmenswebseite

2.1  Student: Der deutsche Autor Kreutzer (2014) bezeichnet die Unternehmenswebseite als „Kern der allumfassenden Online Kommunikation des Unternehmens“. Würden Sie diese Einschätzung teilen und was sind Ihrer Meinung nach die Hauptfunktionen der Webseite?

Cathrin Tusche: Ich teile diese Meinung absolut. Ich selbst bezeichne die Webseite immer als „Flaggschiff des Online Marketing“.

Bei der Webseite handelt es sich um die zentrale Stelle, an der sich das Unternehmen präsentiert, an dem das Unternehmen die eigene Positionierung deutlich machen kann: Worum geht es bei mir? Warum solltest du zu mir kommen? Warum solltest du mein Produkt kaufen?

Weiterhin gilt es zu beachten, dass es sich hierbei um die Schaltzentrale handelt, welche selbst verwaltet, sprich gehostet werden kann. Falls man sich in sozialen Netzwerken nicht an die Regeln hält, kann die Fan-Page auch gesperrt werden. Die Webseite kann jedoch in der Regel nicht gesperrt werden, wenn man sie selbst hostet. Und Ziel einer jeden Unternehmenswebseite ist es natürlich immer, die Besucherströme darauf zu lenken, von sozialen Medien und anderen Plattformen. Daher ist die Aussage völlig korrekt, dass es sich bei der Webseite immer um das zentrale Instrument handelt.

2.2 Student: Wie könnten IT Dienstleistungsunternehmen die Webseite verwenden, um Vertrauen für die eigenen Leistungen aufzubauen?

Cathrin Tusche: Ich denke, dass sich IT Dienstleistungsunternehmen schwertun, insbesondere wenn es sich um kleine Unternehmen handelt und das Unternehmen nicht explizit auf einen Texter zurückgegriffen hat. Hier merkt man zum Teil, dass Programmierer einen etwas uninspirierten Text zusammengeschrieben haben, der sehr technisch ist.

Man sagt immer, dass man die wirklichen benefits eines Produktes aufzeigen sollte und nicht die features. Dies wird leider nicht oft genug beachtet. Dann wird aufgezählt, was das eigene Produkt alles kann und welche Leistungen man anbietet, aber möglicherweise fühlen sich Kunden nicht abgeholt bei der Frage: Welches Problem kannst du für mich lösen? Es besteht ein Bedarf auf Kundenseite und natürlich möchte der Kunde sehen, wie das Unternehmen hier helfen kann. Meiner Meinung nach wird das oftmals nicht gut dargestellt.

3. Email Marketing

3.1. Student: Email Marketing ist ein effektives Werkzeug, wodurch viele Konsumenten direkt und einfach angesprochen werden können.  Für KMUs ist es tendenziell jedoch schwerer, an qualitative Email-Adressen der Kunden zu kommen. Wie bewerten Sie die Wichtigkeit und das Potenzial von Newslettern im Hinblick auf das Online Marketing von KMUs?

Cathrin Tusche: Eine ganze Zeit lang geisterte durch die Marketing-Welt die Aussage, Email-Marketing sei tot, insbesondere da die sozialen Medien sehr gehypt wurden. Aber Email-Marketing ist absolut nicht tot. Es handelt sich um ein ganz wichtiges Instrument, um Kunden zu binden oder Interessenten auf die Produkte aufmerksam zu machen und zu zeigen, was das Unternehmen alles kann.

Es gilt, eine qualifizierte Liste aufzubauen. Das ist ein wertvoller Schatz für Unternehmen. Daher sollte hier wirklich Energie reingesteckt werden, um gute und interessante Newsletter zu entwerfen. Das wird nicht funktionieren, wenn man keinen Mehrwert anbietet. Ein Nutzer gibt seine Email-Adresse her und möchte im Umkehrschluss auch wissen, was er dafür bekommt, worin besteht der Mehrwert? Kann ich mir beispielsweise ein interessantes E-Book herunterladen oder ein Tool nutzen? Hier muss sich ein Unternehmen etwas einfallen lassen, sonst wird niemand seine Email-Adresse hinterlassen.

3.2. Student: Denken Sie, dass die Nutzung eines externen Dienstleisters empfohlen werden kann, um als KMU an qualitative Email-Adressen der Zielgruppe zu gelangen?

Cathrin Tusche: Ich würde in jedem Fall auf einen externen Dienstleister zurückgreifen. Natürlich gibt es für viele Content-Management-Systeme Erweiterungen und Plug-Ins, um Newsletter direkt zu verschicken. Das ist relativ einfach und wenn man als Unternehmen im Jahr beispielsweise auch nur vier Mal einen Newsletter versendet, kann man das auch gerne machen. Aber ein  externer Email-Marketing-Anbieter hat insgesamt mehr Möglichkeiten, um Kennzahlen zu tracken: Öffnungsraten, Worauf haben die Leute geklickt? etc. Damit kann man viel besser erkennen, was mit dem Newsletter passiert ist. Daher würde ich das in jedem Fall vorziehen.

4. Social Media

4.1. Student:  Was ist Ihre Meinung: Gibt es nachweisbare Stärken von Social Media Plattformen, welche insbesondere für KMUs relevant sind?

Cathrin Tusche: Es ist wichtig, dass eine aus der allgemeinen Marketing-Strategie abgeleiteten Social-Media-Strategie erstellt wird und wichtig zu überlegen, wo die eigenen Zielgruppen aktiv sind. Heutzutage kann man sagen, dass quasi jeder auf Facebook ist, auch wenn im ersten Moment oftmals privat, und sich viele schlau machen, was in der eigenen Branche abläuft und sich in Gruppen an Diskussionen beteiligen. Facebook hat den Vorteil, dass es sehr reichweitenstark ist.

In der Social-Media-Strategie würde ich jedoch auch versuchen zu überlegen, welche anderen sozialen Medien es gibt. Es muss nicht unbedingt Facebook sein. Es gibt auch Special-Interest Kanäle, wo man zum Teil vielleicht besser aufgehoben ist.

Weiterhin muss man sich stets überlegen, ob man selbst auch Inhalte für soziale Medien liefern kann. Ich habe schon Unternehmen erlebt, welche sich vorgenommen hatten, eine Fan-Page auf Facebook zu erstellen, aber selbst keine Inhalte liefern konnten. Das war den Unternehmen dann zu aufwendig und sie wollten Interessenten einen Link zur Unternehmenswebseite für weitere Informationen anbieten. Das ist natürlich überhaupt keine Strategie für die sozialen Medien.

Die sozialen Medien haben immer auch das Ziel, die Sichtbarkeit zu erhöhen, das Image zu steigern und Kunden zu binden. Daher ist eine Social-Media-Strategie unerlässlich, wie man das erreichen kann.

4.2. Student: Was sollten KMUs in sozialen Netzwerken im Vergleich zu großen Unternehmen anders machen, um als lokaler Anbieter wahrgenommen zu werden?

Cathrin Tusche: Kleine Unternehmen haben immer den Standortvorteil, wobei es hier natürlich darauf ankommt, ob es sich um ein „lokal“ im Sinne eines Ladens vor Ort, vor Restaurant, Friseur etc. oder handelt es sich um ein kleines Unternehmen, welches insbesondere in einer bestimmten Region aktiv ist.

Diese Unternehmen haben den Vorteil, dass sie schnell, kleine Aktionen durchführen können und Kunden zu ihnen kommen können; beispielsweise eine kleine Haus-Messe, welche annonciert wird oder ein Rabatt, welcher angeboten wird, wenn Kunden in das Ladengeschäft kommen. Dies kann sehr schnell gehen und muss nicht ein halbes Jahr im Voraus geplant werden. Hier haben kleine Unternehmen oftmals den Vorteil, dass sie schneller agieren können, aktueller sind und vielleicht auch ein Stück authentischer und sympathischer sind.

4.3. Student: Innerhalb der Literatur wird der Kundenfokus als besondere Stärke von Twitter angesehen. Würden Sie diese Einschätzung teilen?

Cathrin Tusche: Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei nicht nur um einen Vorteil von Twitter. Kundenfokus schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahnen und wenn man dann nachfragt was sie dafür tun, warum Kunden zu ihnen kommen, dann wissen das Unternehmen oftmals nicht. Ganz schlimm finde ich die Aussage, die oftmals getätigt wird: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“. Das haben die Kannibalen auch schon gesagt ;). Davon merkt man dann aber oft gar nichts.

Twitter ist möglicherweise einfach noch schneller als andere sozialen Medien. Wenn ich etwas nicht unbedingt in Echtzeit zu berichten habe, muss ich auch nicht auf Twitter aktiv sein. Die Schnelligkeit, dass Nutzer sich an das Unternehmen wenden können, wenn etwas akut nicht in Ordnung ist, das ist sicherlich ein Vorteil von Twitter.

Ein konkretes Beispiel: Ich hatte plötzlich kein Internet mehr und habe den Internet-Provider auf Twitter angeschrieben und habe tatsächlich gleich eine Antwort erhalten, welche Problem vorlag und wann es ungefähr wieder funktionieren sollte. Das ist natürlich ein unglaublicher Vorteil von Twitter, diese Schnelligkeit. Aber dann muss man das als Unternehmen auch leben. Dann ist es notwendig, jemanden abzustellen, der wirklich für Kundenanfragen zur Verfügung steht.

4.4.  Student: Die Idee des Echtzeit-Micro-Bloggings wird an verschiedenen Stellen als besonderes Merkmal von Twitter herausgestellt. Während es bei anderen Plattformen wie Facebook üblich ist, Inhalte vorauszuplanen, steht dies eigentlich konträr zur ursprünglichen Idee von Twitter. Nichtsdestotrotz gibt es die Möglichkeit mit verschiedenen Applikationen, Inhalte vorauszuplanen. Wie ist Ihre Einschätzung: Würden Sie dies empfehlen, um den Aufwand im Zusammenhang mit Twitter zu reduzieren, oder sollte der Fokus besser auf der Reaktion zu Echtzeit-Events liegen?

Cathrin Tusche: Wenn es dem Unternehmen insbesondere darum geht, einzelne Unternehmensinhalte zu veröffentlichen, beispielsweise von einem Unternehmensblog, dann steht dem Vorausplanen nichts im Wege, auch über Twitter. Hier ist ein Social-Media-Monitoring-Tool wie Hootsuite oder Buffer schon sinnvoll. Hier fällt jedoch der Moment des Kundendialogs etwas weg.

Man sollte sich daher nicht nur auf das Social-Media-Tool verlassen und nur geplante Beiträge posten, sondern auch Raum lassen für spontan erstellte Inhalte. Das wirkt auch sympathischer und demonstriert mehr Kundennähe, wenn man nicht nur eigene Inhalte verbreitet, sondern beispielsweise auch Branchennews von anderen Seiten veröffentlicht.

Es ist grundsätzlich nichts zu sagen gegen die Social-Media-Monitoring-Tools aber ich würde kleinen Unternehmen, welche sowieso ein Zeitproblem haben, auch nicht empfehlen, auf fünf Kanälen aktiv zu sein und dann mit einem Social-Media-Monitoring-Tool zu arbeiten. Dann lieber auf zwei Kanäle aktiv und persönlich darum kümmern. Jede Plattform hat seine Eigenheiten, die Zielgruppe muss anders angeschrieben werden etc. Daher sollte man sich die Nutzung von Social-Media-Monitoring-Tools sehr gut überlegen.

4.5. Student: Bitte bewerten Sie das Potenzial von Facebook, um als Unternehmen mit Hilfe von „Behind-the-scene“-Inhalten Authentizität gegenüber Kunden zu generieren.

Cathrin Tusche: Facebook ist hierfür ein ideales Medium, egal ob man Behind-The-Scene Fotos oder Videos…jetzt auch Live-Videos macht. Das ist ein tolles Potenzial für kleine Unternehmen, um beispielsweise auch mal durch die Werkshalle zu gehen und die Mitarbeiter bei der Arbeit zu zeigen oder vorzustellen. Da kann man viele Ideen entwickeln, wie es eingesetzt werden kann.

Das ist eine sehr schöne Möglichkeit, um in Kundennähe zu rücken und einen Kundendialog anzubieten.

4.6. Student: Wie könnten Ihrer Meinung nach eigene Mitarbeiter des Unternehmens in die Strategie des KMU integriert werden, um Inhalte zu generieren? Was sollte in diesem Zusammenhang beachtet werden?

Cathrin Tusche: Ganz wichtig ist, dass alle in die Social-Media-Strategie des Unternehmens eingebunden sind, welche unmittelbar mit Facebook zu tun haben. Das fängt damit an, dass es allen Mitarbeitern mit eigenem Facebook-Account bewusst ist, dass sie das Unternehmen trotzdem repräsentieren, auch wenn sie kein Admin einer Fan-Page sind; denn möglicherweise ist im Privatprofil angegeben, dass sie bei dem Unternehmen arbeiten.
Daher ist es notwendig, dass es eine Social-Media-Guideline gibt, die festlegt, wie sich die eigenen Mitarbeiter in sozialen Netzwerken verhalten dürfen und welche Regeln gelten.

Ganz wichtig ist es auch, dass die Geschäftsführerriege versteht, worum es bei Social Media geht. Da sehe ich oft einen ganz großen Knackpunkt; dass im Marketing das Verständnis für Social Media vorhanden ist, aber nicht bei den Oberen. Auch die müssen einbezogen werden und das wird manchmal vergessen.

Wenn es in einem Unternehmen üblich ist, dass der Chef alles sehen will…nach dem Motto: Es muss erst ausgedruckt und dem Chef zur Unterschrift vorgelegt werden…dann muss man sich generell überlegen, ob Facebook überhaut die richtige Strategie ist ;).

Mitarbeiter haben oftmals eine Scheu, Admin von Fan-Pages zu sein, vielleicht auch weil sie sich nicht gut genug auskennen und sich unsicher sind, was und wie sie Inhalte posten sollen, rein technisch gesehen. Ich denke hier ist ein ganz großer Schulungsbedarf vorhanden und es ist sehr wichtig, dass die Weiterbildung stattfindet und gefördert wird.

4.7. Student: Wie bewerten Sie das Marketing-Potenzial von mobilen Messenger-Diensten wie WhatsApp oder Facebook Messenger für KMUs?

Cathrin Tusche: Grundsätzlich wäre das eine tolle Sache. Ich habe schon mehrere Unternehmen gesehen, bei denen man auf die Webseite kommt und dann als Nutzer gefragt wird, ob man über WhatsApp mit dem Unternehmen kommunizieren möchte.

Aber ich denke, es hakt noch zu sehr am grundsätzlichen Social-Media-Verständnis; was kann man damit machen? Wofür brauchen das kleine und mittlere Unternehmen? Was ist das Potenzial? Ich denke hier sind viele Unternehmen noch nicht weit genug. Diese müssten erst einmal an anderen Online-Marketing-Tools arbeiten, inklusive der eigenen Webseite, bevor sie über WhatsApp nachdenken.

4.8. Student: Bitte bewerten Sie den aktuellen Trend zu Bewegtbild-Inhalten in sozialen Netzwerken im Hinblick auf die externe Präsentation von KMUs.

Cathrin Tusche: Videos sind ein ganz wichtiges Marketing-Instrument; nicht nur um Authentizität durch wackelige Szenen zu erzeugen, wenn wie zuvor angesprochen die Werkshalle des Unternehmens und deren Mitarbeiter präsentiert wird…das kann man durchaus auch mal machen, u.a. für die Live-Videos bei Facebook; aber auch vor allem im Tutorial- und Erklär-Video-Bereich. Viele Produkte sind sehr komplex und Kunden verstehen nicht genau, wofür sie gedacht sind. Hier hat das Unternehmen mittels Video eine Chance, die Vorteile des Produktes und dessen Eigenschaften besser zu erklären. Mit einem YouTube-Kanal und dem Erstellen von Inhalten kann man in diesem Zusammenhang als Unternehmen noch sichtbarer werden.

Wenn man letztendlich den Bogen heraushat und den Prozess für das schnelle Erstellen und Implementieren von Videos verstanden hat, handelt es sich eigentlich um ein vergleichsweise kostengünstiges Instrument.

5. Business Plattformen

5.1. Student: Bitte bewerten Sie das Potenzial von Business-Plattformen wie LinkedIn oder XING um als Experte im eigenen Dienstleistungsbereich wahrgenommen zu werden. 

Cathrin Tusche: Die meisten sind auf XING und viele auch auf LinkedIn. Hier sehe ich jedoch das Problem, das oftmals das Profil erstellt und einigermaßen aktuell gehalten wird, aber das insgesamt zu wenig kommuniziert wird, beispielsweise in Gruppen, und zu wenig Austausch stattfindet und dass damit das Potenzial von XING und LinkedIn zum Teil etwas verpufft.

Zum Teil kommt es auch vor, dass das Unternehmensprofil einmal angelegt wird und danach findet keine weitere Kommunikation statt. Es gibt keinen Austausch und das läuft dem Gedanken von Social Media sicherlich zuwider.

Wenn einem XING und LinkedIn sympathisch ist und dort auch die Zielgruppen aktiv sind, müsste man als Unternehmen die Plattformen viel stärker nutzen. Ich sehe ganz häufig, dass hier überhaupt keine Aktivität stattfindet.

6. Mobile Marketing

6.1. Student: Wie würden Sie das Potenzial von mobilem Marketing im Allgemeinen als Teil einer integrierten Kommunikation von IT Dienstleistungsunternehmen bewerten?

Cathrin Tusche: Auch hier ist es notwendig, die eigene Zielgruppe genau zu kennen. Ich denke, dass eine gute Mobile-Marketing-Strategie insbesondere für einen IT Dienstleister durchaus sehr wichtig sein kann, wenn beispielsweise eine eigene App entwickelt wird. Wenn man mit Kunden kommunizieren möchte, gehört in diesem Zusammenhang sicherlich auch WhatsApp oder Facebook Messenger dazu; auch wenn hier die Grenzen zum Social-Media-Marketing fließend sind.

Auch hier gilt wieder: Es muss in eine richtige Online Marketing-Strategie integriert sein und es muss weiterhin klar sein, was man beispielweise mit der eigenen App erreichen möchte. Hierbei spreche ich nicht mehr davon, dass Webseiten für mobile Geräte geeignet sein müssen, das ist heutzutage Standard. Unternehmen. die eine Webseite haben, welche kein responsive Design vorweisen kann, sollten schleunigst umstellen.

7. Branchenverzeichnisse

7.1. Student: Wie bewerten Sie die Nutzung von Branchenbüchern wie Yelp, Gelbe Seiten oder Meine Stadt als Teil der Online Marketing Strategie von kleinen und mittleren Unternehmen, um das lokale Profil des Unternehmens zu stärken?

Cathrin Tusche: Lange Zeit geisterte als Suchmaschinentipp umher, man solle sich in möglichst viele Portale eintragen, weil das Links zu eigenen Webseite generiere. Das ist jedoch überhaupt nicht sinnvoll.  Man muss sich die Portale vielmehr genau anschauen…viele sind mittlerweile sogar kostenpflichtig, daher ist es auch eine Budgetfrage…und man muss sich die Frage stellen, wo man sich präsentieren möchte.

Es gibt für jede Branche spezielle Portale, in denen man als Unternehmen sicher vertreten sein sollte. Aber als allererstes rate ich Unternehmen, sich bei Google My Business einzutragen, weil es mit Google Maps verbunden ist und man dadurch noch etwas mehr Sichtbarkeit erhält. Weiterhin ist es kostenlos. Danach kann man sich überlegen, welche Portale daneben sinnvoll sind. Hierbei ist sicherlich einiges an Recherche notwendig.

Aber vom einfachen Anmelden auf jedem Portal rate ich ab. Das wird auch zu teuer, da die Portale zum Teil relativ viel Geld kosten.

8. Integrierte Kommunikation

8.1. Student: Was ist Ihre Meinung: Was sind die wichtigsten Elemente für eine integrierte Kommunikation von KMUs, über die verschiedenen, genutzten Kanäle hinweg?

Cathrin Tusche:  Die Strategie muss immer an der Zielgruppe und dem Bedarf der Zielgruppe ausgerichtet werden und ist auch abhängig von der allgemeinen Marketing-Strategie des Unternehmens. Eine Online-Marketing-Strategie hat immer als zentrales Element die Webseite. Hier haben noch sehr viele Unternehmen klaren Nachholbedarf, die Webseiten gut zu optimieren.

Wenn man überlegt, welche Kanäle vielleicht ressourcenintensiv aber kostengünstig sind, dann haben viele kleine Unternehmen auch noch Nachholbedarf bei der Suchmaschinenoptimierung. Die Optimierung der Webseite ist ein zentrales Thema, da man mit den sozialen Medien erst danach anfangen sollte. Eigentlich möchte man ja Traffic von den sozialen Medien auf die Webseite leiten. Daher sollte die Webseite davor schon in einem guten Zustand sein.

Anschließend kann man mit der Social-Media-Strategie starten und sich hier auch überlegen, was man im Werbebereich machen will, beispielsweise Anzeigen auf Facebook schalten. Das wäre der nächste Schritt.

Im Zusammenhang mit der ganzen Integration der verschiedenen Maßnahmen denke ich, lieber weniger machen und die Kanäle, welche man bespielen möchte qualitativ nutzen. Daneben sollte man sich gut um die Webseite kümmern und vielleicht das Thema Google AdWords in Betracht ziehen. Aber wie gesagt: Eins nach dem anderen.

Ich glaube, dass es bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen etwas an Klarheit und Struktur fehlt, und an Prioritäten. Heutzutage gibt es sehr viele Möglichkeiten und zahlreiche Plattformen, daher sollte man die Nutzung meines Erachtens von den eigenen Ressourcen und dem Zeitaufwand abhängig machen.

Fazit

Student: Wie bewerten Sie allgemein die Möglichkeiten und das Potenzial von Online Marketing im Hinblick auf KMUs?

Cathrin Tusche: Es ist klar, dass sich kleine und mittlere Unternehmen heutzutage stark auf Online Marketing fokussieren müssen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich Wissen anzueignen und eine klare Strategie festzulegen. Es sollte vermieden werden, einfach zu sagen: „Wir brauchen eine Webseite und eine Facebook Page etc.“ Man sollte sich Gedanken machen, was die Zielgruppe des Unternehmens ist und wie sie erreicht werden kann; was haben meine potenziellen Kunden für einen Bedarf? Welches Problem haben sie? Wie kann ich mit meinen Zielgruppen in Kontakt treten? Und vor allem: Was will ich erreichen? Das ist eine sehr wichtige Frage im Online Marketing, zu wissen, was ist überhaupt das Ziel von bestimmten Aktivitäten.

Viele Unternehmen lamentieren, die Aktivität X sei zu teuer und Y nehme zu viel Zeit in Anspruch. Daher ist es sehr wichtig, ein klares Ziel festzulegen und dann die ganze Energie und unter Umständen das komplette Budget zu investieren. Das wäre mein Rat: Als Unternehmen sollte man sich stärker darauf fokussieren, was man erreichen möchte und nicht hunderte von Maßnahmen durchführen; lieber ein paar wenige Maßnahmen, die dann sehr gut umgesetzt werden.

 

Bildnachweis: Photo by Sam McGhee on Unsplash

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